So berechnest du die Lithium-Batteriebank für dein Boot
Eine Schritt-für-Schritt-Methode, mit der du ermittelst, wie viele Amperestunden LiFePO4 deine Yacht braucht – mit Rechenbeispiel vom Tagesverbrauch über die Autarkie bis zum Laden.
Vom Team von Sail Mallorca · Veröffentlicht · 3 Min. Lesezeit
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Der häufigste Fehler beim Umstieg auf Lithium ist, die Größe zu schätzen. Zu klein, und am zweiten Abend vor Anker ist der Strom weg. Zu groß, und du bezahlst Kapazität, die du nie nutzt und gar nicht nachladen kannst. Richtig berechnet ist das in einer halben Stunde mit Block und Stift.
Schritt 1: Alle Verbraucher auflisten
Schreib alles auf, was Strom verbraucht, mit Leistung in Watt und wie viele Stunden am Tag es tatsächlich läuft. Die Leistung steht auf dem Typenschild oder im Handbuch. Bei Geräten, die sich ein- und ausschalten wie der Kühlschrank, schätzt du die Zeit, in der der Kompressor wirklich läuft.
Hier ein Beispiel für eine 12-V-Segelyacht, die einen Sommertag vor Anker und den Abend an Bord verbringt. Setz deine eigenen Zahlen ein.
| Verbraucher | Leistung (W) | Stunden pro Tag | Energie (Wh) |
|---|---|---|---|
| Kühlschrank (Kompressor läuft etwa ein Drittel der Zeit) | 50 | 8 | 400 |
| Navigationsinstrumente und Plotter | 30 | 6 | 180 |
| Ankerlicht | 3 | 10 | 30 |
| LED-Innenbeleuchtung | 20 | 4 | 80 |
| Wasserpumpe | 60 | 0,5 | 30 |
| Handys, Laptops und Lautsprecher | 60 | 3 | 180 |
| Kleine Wechselrichter-Lasten | 300 | 0,5 | 150 |
| Summe pro Tag | 1.050 |
Schritt 2: In Amperestunden umrechnen
Teile die Wattstunden durch die Batteriespannung. Eine 12-V-LiFePO4-Bank hat eine Nennspannung von 12,8 V.
1.050 Wh ÷ 12,8 V ≈ 82 Ah pro Tag
Schritt 3: Festlegen, wie viele Tage ohne Laden
Wie lange willst du durchhalten, wenn keine Sonne scheint und der Motor nicht läuft? Für Tagestörns, die jeden Abend in die Marina zurückkehren, reicht oft ein Tag. Beim Fahrtensegeln sind anderthalb bis zwei Tage ein übliches Ziel.
82 Ah × 2 Tage = 164 Ah
Schritt 4: Reserve für nutzbare Kapazität und Alterung einplanen
LiFePO4 liefert zwar fast die gesamte Nennkapazität, eine Reserve schont die Batterie aber und lässt Spielraum für Alterung, Kälte und Fehler. Durch 0,8 zu teilen ist eine sinnvolle Marge.
164 Ah ÷ 0,8 ≈ 205 Ah
In diesem Beispiel passt eine 200-Ah-LiFePO4-Bank gut, zum Beispiel eine 200-Ah-Batterie oder zwei 100-Ah-Batterien parallel.
Schritt 5: Prüfen, ob die Ladeseite mithält
Eine Bank ist nur so gut wie deine Möglichkeit, sie wieder aufzufüllen. Vergleiche deinen Tagesverbrauch mit dem, was du nachladen kannst:
- Solar: Im Sommer auf Mallorca kannst du grob mit vier bis fünf Volllaststunden pro Tag planen. Eine 300-W-Anlage liefert an einem guten Tag dann etwa 1.000 Wh, mit Schatten von Baum, Mast und Bimini weniger.
- Lichtmaschine: meist über einen DC-DC-Lader begrenzt, um sie zu schützen, zum Beispiel auf 30 bis 50 A, solange der Motor läuft.
- Landstrom: am einfachsten, wenn du in eine Marina zurückkehrst.
Wenn deine Ladequellen den Tagesverbrauch nicht decken, musst du den Verbrauch senken, mehr Lademöglichkeiten schaffen oder öfter an den Landstrom. Eine größere Batterie allein löst das nicht.
Schritt 6: Spitzenlasten bedenken
Vergleiche den Dauer- und Spitzenstrom der Batterie mit deinen größten Verbrauchern. Ein Wechselrichter, der einen Wasserkocher oder eine Kaffeemaschine betreibt, kann bei 12 V kurzzeitig weit über 100 A ziehen. Das kann entscheiden, ob du eine größere Batterie, mehr Batterien parallel oder eine höhere Systemspannung brauchst.
Ein schneller Plausibilitätscheck
- Tagesverbrauch und Bankgröße sollten zueinander passen: Eine Bank für etwa zwei Tage Verbrauch ist für die meisten Fahrtenboote ein guter Ausgangspunkt.
- Deine tägliche Ladung sollte einen Tagesverbrauch ersetzen können.
- Deine Spitzenlasten sollten innerhalb des Dauerstroms der Batterie bleiben.
Wenn alle drei Punkte stimmen, liegst du nah an der richtigen Größe. Wenn du in Palma bist und Hilfe bei den Zahlen möchtest, bietet das Team von Sail Mallorca, das diesen Guide schreibt, Beratungen zu Bordenergiesystemen an.
Häufige Fragen
- Wie viele Amperestunden braucht eine typische Segelyacht?
- Das hängt ganz davon ab, was an Bord ist und wie lange du ohne Landstrom auskommen willst. Ein Wochenendboot mit Kühlschrank und Instrumenten braucht viel weniger als eine Charteryacht mit Wassermacher, Wechselrichter und Kaffeemaschine. Mach lieber die Energiebilanz aus diesem Artikel, statt dich auf eine Faustregel zu verlassen.
- Soll ich 12 V oder 24 V nehmen?
- Die meisten kleineren Yachten laufen mit 12 V. Größere Yachten mit hohen Lasten wie Wechselrichter, Winschen oder Bugstrahlruder nutzen oft 24 V oder 48 V, weil dieselbe Leistung dann nur die Hälfte oder ein Viertel des Stroms braucht – also dünnere Kabel und weniger Verluste.
- Ist eine größere Batteriebank immer besser?
- Nein. Eine Bank, die deutlich größer ist, als deine Ladequellen wieder auffüllen können, ist teurer Ballast. Stimme die Bank auf Solar, Lichtmaschine und Landstrom ab.